Gicht – Formen und Stadien

Gicht ist meist erblich bedingt. Neben dieser Ursache existieren jedoch auch weitere auslösende Faktoren und Formen. So können verschiedene Vorerkrankungen zu Gicht führen. Zudem beschränkt sich Gicht mitunter nicht nur auf Gelenke, sondern kann auch Weichteile und die Nieren befallen.

Beide Arten können zu einer chronischen Form führen, die jedoch aufgrund des medizinischen Fortschritts und effektiver Behandlungsmöglichkeiten sehr selten geworden ist.

Primäre Gicht

Ursache ist ein angeborener Stoffwechsel-Defekt
Dabei ist von Geburt an der Harnsäurespiegel im Blut erhöht, was aus zwei verschiedenen auslösenden Faktoren resultieren kann. Meist ist ausschlaggebend, dass die Niere weniger Harnsäure ausscheidet, als im Blutkreislauf zirkuliert, so dass sich langfristig zu viel Harnsäure im Körper ansammelt. In selteneren Fällen wird die Gicht von einem Enzymdefekt verursacht, der den Körper dazu anregt, überproportional viel Harnsäure zu produzieren.

Lebens- und Essgewohnheiten spielen dennoch wesentliche Rolle
Die primäre Form der Gicht macht den Großteil aller Fälle aus. Experten schätzen, dass 99% aller Patienten die Erkrankung aufgrund ihrer Veranlagung in sich tragen. Damit Gicht zum Ausbruch kommt, sind neben den erblichen Faktoren jedoch auch Lebens- und Essgewohnheiten ausschlaggebend. Daher lässt sich sagen, dass die primäre Gicht zwar nicht vollständig heilbar ist, da sie in den Genen enthalten ist, jedoch sehr gut unter Kontrolle gebracht werden kann, wenn einige Richtlinien beachtet werden. So ist für die Betroffenen ein nahezu beschwerdefreies Leben mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung möglich.

Sekundäre Gicht

Gicht in Folge einer Grunderkrankung oder beeinflussender Faktoren
Sekundäre Gicht ist als Folge einer Vorerkrankung oder aufgrund anderer Faktoren und Störungen zu betrachten. Verschiedene Grunderkrankungen sind in diesem Fall als typisch zu bezeichnen. So löst beispielsweise eine Blutkrankheit wie Leukämie einen übermäßigen Abbau von Zellen aus, der schlussendlich zu einer erhöhten Anreicherung des Blutes mit Harnsäure führt.

Des Weiteren können verschiedene Nierenerkrankungen die Funktion dieses Organs stören, was zum gleichen Effekt führt. Darüber hinaus gelten Diabetes Mellitus, Anämien und Tumore als begünstigende Grunderkrankungen.

Bestimmte Medikamente können Gicht fördern

Zudem kann das Auftreten einer sekundären Gicht durch die Einnahme gewisser Medikamente gefördert werden. Die in der Chemotherapie verabreichten Zytostatika zerstören beispielsweise nicht nur unerwünschte Krebszellen, sondern auch notwenige Zellen, die purinreiche Kerne enthalten. Aber auch die Einnahme einer gängigen Schmerztablette, die Acetylsalicylsäure enthält, kann zu sekundärer Gicht führen, da sie das Ausscheiden von Harnsäure verhindert und so zu einem erhöhten Spiegel im Blut führt.

Auch Diäten können Einfluss auf Gicht haben

Außerdem kann sekundäre Gicht durch weitere Verhaltensweisen begünstigt werden. Eine strikte Diät zur Gewichtsabnahme, welche nicht in enger Rücksprache mit einem Arzt durchgeführt wird, kann ebenso eine Anreicherung des Blutes mit Harnsäure auslösen wie Fastenkuren. Da übermäßig viele Körperzellen abgebaut werden, tritt der gleiche Effekt wie bei einer Chemotherapie ein: Zellen werden abgebaut und die purinreichen Kerne schütten die Harnsäure ins Blut aus. Daher ist es zur Verringerung des Körpergewichts ratsam, auf schonendere Diäten zurückzugreifen, auch wenn diese einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen.

Übergewicht kann zur sekundären Form von Gicht führen
Dies begründet sich in den Höchstleistungen, welche die Organe aufgrund der großen Körpermasse stets leisten müssen. So sind die Nieren schnell überlastet und können die Harnsäure nicht mehr schnell genug abbauen. Die gleichen Auswirkungen hat ein dauerhafter Bluthochdruck, so dass dieser unbehandelt ebenfalls in Gicht münden kann.

Die unterschiedlichen Stadien von Gicht im Überblick

Stadium 1 – Erhöhte Harnsäurewerte

Betroffene verspüren keine Schmerzen
Das erste Stadium der Gicht kann über Jahre bis hin zu mehreren Jahrzehnten bestehen. Es wird auch als asymptotisches Stadium bezeichnet, da die Betroffenen in dieser Zeit über keine Art von Schmerzen berichten. Der einzige Hinweis auf die entstehende Erkrankung findet sich in erhöhten Harnsäurewerten des Blutbildes. Meist ist in dieser Phase der Hyperurikämie noch keine medikamentöse Behandlung erforderlich, da der Patient noch nicht unter Schmerzen leidet. Um einen akuten Gichtanfall zu vermeiden, ist es jedoch ratsam, bereits frühzeitig die Ernährung auf purinarme Kost umzustellen.

Weitere Informationen zum asymptomatisch inapparenten Stadium

Stadium 2 – Akuter Gichtanfall

Gichtanfall ist mit extremen Schmerzen verbunden
Wird die Ernährung nicht umgestellt, um die Harnsäure im Blut zu verringern, so führt dies früher oder später zu einem Ausbruch der Gicht, was als akuter Anfall bezeichnet wird. Dieser kann durch besonders fettreiches Essen oder den übermäßigen Verzehr von Alkohol zusätzlich provoziert werden. Die schmerzhafte Ausprägung der Gicht beruht auf den Eigenschaften der Harnsäure. Sie ist im Blut nur im begrenzten Umfang löslich, so dass stets erhöhte Werte zu einer übermäßigen Anreicherung des Blutes mit Urat führen. Dieses kristallisiert aus und lagert sich an den Gelenken ab, wo es schmerzhafte Schwellungen verursacht.

Die Abbildung zeigt einen akuten Gichtanfall am Großzehgelenk gefunden auf: https://www.was-ist-gicht.de/formen-stadien.html
Die Abbildung zeigt einen akuten Gichtanfall am Großzehgelenk

Schmerzen treten sehr oft im großen Zeh auf
Besonders häufig ist das Grundgelenk der Großzehen betroffen, da der Kristallisationsprozess der Harnsäure-Kristalle aufgrund der schlechten Durchblutung gefördert wird.

Der Köper versucht die entstehenden Kristalle in weißen Blutkörperchen aufzunehmen und so selbstständig abzutransportieren, um das Gelenk wieder zu entlasten. Jedoch werden die Leukozyten von den scharfkantigen Uratkristallen regelrecht aufgeschlitzt und setzen Entzündungsfaktoren frei.

Schwellung des Gelenks
Diese bedingen die entzündliche Schwellung des Gelenkes, welche auch die Nebenerscheinung des Fiebers erklärt.

Die Symptome klingen auch ohne medikamentöse Behandlung innerhalb eines Zeitraumes von mehreren Tagen wieder ab. Bis zum nächsten Gichtanfall können bis zu zwei Jahre vergehen.

Weitere Informationen zu Symptome einen Gichtanfalls sowie Symptome eines akuten Gichtanfalls.

Stadium 3 – Zeitraum zwischen zwei Gichtanfällen

Beschwerdefrei, aber medikamentöse Therapie erforderlich
Zwischen den akuten Gichtanfällen verspüren die Patienten keinerlei Beschwerden. Jedoch sollte eine medikamentöse Behandlung eingeleitet werden, da Gicht sonst chronisch werden und sich verschlimmern kann. Der Abstand zwischen den akuten Phasen würde dann immer kürzer werden.

Stadium 4 – Chronische Gicht

Chronisch bei medizinischer Nichtbehandlung
Unterbleibt eine medizinische Behandlung der Gichtsymptome, so wird die Erkrankung chronisch.

Je nach Ausprägung der Gicht werden verschiedene Arten unterschieden:

Die Gelenk-Gicht beschränkt sich auf die Gelenke, wobei verschiedene gleichzeitig betroffen sein können. Durch die Uratkristalle, welche sich ablagern, können Gelenkschäden entstehen, die bei Bewegung verstärkt schmerzen.

Tophi sind knotige Verdickungen, die häufig am Ohrknorpel auftreten. gefunden auf: https://www.was-ist-gicht.de/formen-stadien.html
Tophi sind knotige Verdickungen, die häufig am Ohrknorpel auftreten.

Die Weichteil-Gicht entspricht im Verlauf und den Symptomen der Gelenk-Gicht, kann jedoch an verschiedenen Körperteilen auftreten. Dabei können durch die Uratablagerung im Weichteil- oder Knorpelgewebe so genannte Tophi (Einzahl Tophus) entstehen. Hierbei handelt es sich um knotige Verdickungen, die häufig am Ohrknorpel, den Sehnenscheiden und Schleimbeuteln auftreten. Mitunter verursachen diese Gichtknoten keine Schmerzen, stellen jedoch einen Speicher der Harnsäure dar und bedingen hierdurch das stetige Fortschreiten der Erkrankung.

Bei der sogenannten Nieren-Gicht bilden sich Kristalle der Harnsäure in diesem Organ. Dies führt zur Bildung von Nierengries oder Nierensteinen, die eine schmerzhafte Kolik auslösen können. Mitunter tritt die Nieren-Gicht auch unabhängig von den anderen Erscheinungsformen auf und ist daher schwerer zu diagnostizieren.

Weitere Informationen zu Symptome bei chronischer Gicht.

Ein erhöhter Harnsäurespiegel – Warum?

Die im Blut enthaltene Harnsäure entsteht, wenn der Körper Purin abbaut. Dieses ist einerseits in Nahrungsmitteln enthalten, weshalb oft zu einer speziellen Diät bei der Behandlung von Gicht angeraten wird. (Siehe hierzu die Informationen unter dem Menüpunkt Ernährung. Andererseits wird verstärkt Purin im Körper freigesetzt, wenn Zellen zerfallen. Zu einem erhöhten Harnsäurespiegel kann es aus mehreren Gründen kommen. Zum einen kann eine vermehrte Aufnahme purinreicher Nahrung zu einem Überschuss führen. Zum zweiten ist möglicherweise die Niere beeinträchtigt, wodurch weniger Harnsäure ausgeschieden wird. Zum dritten kann ein erhöhter Zellzerfall zu einer gesteigerten Menge an Purinen im Blut führen.

Ursachen für die Entstehung von Gicht

Gicht entsteht wenn einer der drei eben genannten Gründe für einen gesteigerten Harnsäurespiegel im Blut zutrifft. Oft liegt aber auch eine Kombination vor, die die Balance aus Aufnahme und Ausscheidung von Harnsäure stört. Ein erhöhter Harnsäurespiegel muss allerdings nicht unbedingt in Gicht resultieren. Die erbliche Veranlagung und die Dauer des erhöhten Wertes spielen beim Ausbruch eines akuten Anfalls gleichermaßen eine Rolle. Im Einzelnen können wie obig beschrieben verschiedene Faktoren den Ausbruch begünstigen, wie beispielsweise Vorerkrankungen oder die Einnahme von Medikamenten. In Verbindung mit purinreicher Kost entsteht leicht ein Gichtanfall.

Risikofaktoren, welche die Entstehung von Gicht begünstigen

Verschiedene Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Gicht zu erkranken. Das männliche Geschlecht ist besonders anfällig, meist im Zeitraum vom 30. bis zum 50. Lebensjahr. Frauen sind hingegen meist erst nach der Menopause betroffen. Fälle von Gicht in der eigenen Familie fördern zudem das Risiko einer Erkrankung.

Fettiges Essen und verstärkter Alkoholkonsum
Eine ungesunde Ernährung, welche auf einem hohen Konsum von Alkohol und fettreicher Nahrung beruht, trägt zudem zu einem Ausbruch von Gicht bei.

Einnahme bestimmter Medikamente
Die Einnahme diverser Medikamente kann zudem das Gleichgewicht der Bildung und Ausscheidung von Harnsäure empfindlich stören, was zu einer Hyperurikämie führen würde. Besonders auf den Harnsäurespiegel zu achten ist bei der Einnahme von Acetylsalicylsäure und entwässernden Medikamenten.

Eine Chemotherapie beeinträchtigt die genannte Balance noch extremer, da sie direkt den Abbau der Zellen beeinflusst und so vermehrt Purin freisetzt, das von der durch die Behandlung bereits belastete Niere nicht mehr in vollem Umfang abgebaut werden kann. Eine Anämie, also das zu geringe Vorhandensein von roten Blutkörperchen erzielt einen ähnlichen Effekt.