Wie lange dauert ein Gichtanfall?

Abends grillen, ein schönes saftiges Steak mit ein paar kühlen Bierchen herunterspülen und es sich gut gehen lassen. Mitten in der Nacht kommt die Quittung: Das Großzehengrundgelenk ist gerötet, geschwollen, überwärmt und schmerzt so heftig, dass schon die Berührung mit der Bettdecke einen wahnsinnig macht. Wer so etwas zuvor schon mal durchgemacht hat, weiß, dass es sich um einen typischen akuten Anfall von Gicht handelt. Die erste Frage, die man sich in Anbetracht des schmerzhaften Geschehens stellt, ist: Wie lange dauert so ein Gichtanfall.

Wie kommt es zu einem akuten Gichtanfall?

Gicht ist die Folge einer Hyperurikämie, erhöhter Harnsäurewerte im Blut. Harnsäure ist das Endprodukt des Purinstoffwechsels, in dem der Körper DNA und RNA abbaut. Die Purine stammen zum großen Teil aus der Nahrung, vor allem aus Fleisch und Innereien. Alkohol behindert die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren. Daher sind reichlicher Alkohol- und Fleischgenuss bei prädisponierten Patienten ein Garant für erhöhte Harnsäurewerte.

Würde die Harnsäure brav im Blut bleiben, wäre das kein Problem. Bei hohen Blutwerten lagert sie sich jedoch in den Gelenken ab und kristallisiert dort aus. Diese Harnsäurekristalle (Uratkristalle) locken Immunzellen herbei, welche die Fremdkörper zu beseitigen versuchen. Das Ergebnis ist eine Entzündung, die die charakteristische Überwärmung, Rötung und schmerzhafte Schwellung hervorruft. Neben dem am häufigsten in Mitleidenschaft gezogenen Großzehengrundgelenk können alle anderen Gelenke ebenfalls betroffen sein.

Wie lange dauert ein Gichtanfall ohne Behandlung?

Die wenigsten Patienten möchten ausprobieren, ob Gicht auch ohne Medikamente wieder weggeht, denn ohne ärztliche Hilfe kann sich so ein akuter Anfall mehrere Wochen lang hinziehen. Noch vor hundert Jahren, als es kaum hinreichende Behandlungsmöglichkeiten gab, setzte die „Krankheit der Wohlhabenden“, die sich Fleisch, leckere Pasteten und Wein leisten konnten, diese wochenlang außer Gefecht. Prominente Beispiele sind Heinrich VIII. von England, Goethe, Bismarck und Friedrich der Große. Sie waren oft wochenlang an Bett oder Stuhl gefesselt und kaum in der Lage sich zu bewegen.

Die Folgen von unbehandelten Gichtanfällen

Ohne Behandlung wird eine Gicht sehr schnell chronisch, insbesondere bei genetischer Prädisposition. Für die betroffenen Gelenke ist das fatal, denn die sich ständig ablagernden Harnsäurekristalle und damit verbundenen Entzündungen zerstören die Gelenke zusehends, ohne dass es zu einem akuten Gichtanfall kommen muss. An Zehen und Fingergelenken wird das durch Deformationen und Bewegungseinschränkungen sichtbar. Hinzu kommen charakteristische Gichtknoten (Tophi) in Sehnen oder an den Ohrmuscheln. Am nachhaltigsten sind jedoch die Auswirkungen auf die Nieren, die funktionell beeinträchtigt werden und vermehrt Nierensteine ausbilden oder sich zu Schrumpfnieren entwickeln.

Wie lange dauert ein Gichtanfall mit Behandlung?

Wochenlange Schmerzzustände und weitere Folgeerscheinungen müssen mit der heutigen Medizin nicht mehr sein. Ein akuter Gichtanfall lässt sich recht schnell mit Schmerzmitteln (nichtsteroidalen Antirheumatika, NSAR) und Entzündungshemmern beheben. Besonders schmerzhafte Fälle kann der Arzt sehr schnell durch die Injektion eines Schmerzmittels und einer kleinen Menge Glukokortikoid wie Prednisolon behandeln.

Mit einer solchen Therapie lassen sich die ärgsten Schmerzen innerhalb weniger Stunden vermindern. Die verursachende Entzündung sollte nach ein bis zwei Tagen verschwunden sein.

Was kann ich selbst bei einem akuten Gichtanfall tun?

Während eines akuten Anfalles kann man sich etwas Linderung verschaffen, indem man das betroffene Gelenk kühlt, hoch lagert und möglichst wenig belastet. Hilfreich ist es, viel zu trinken, damit die überschüssige Harnsäure über die Nieren ausgeschieden werden kann. Hausmittel bei Gicht sind unter anderem Quarkwickel und Apfelessig.

Wie kann man einen weiteren Gichtanfall verhindern?

Wer einen akuten Gichtanfall hinter sich gebracht hat, möchte lieber keinen zweiten erleben. Daher ist eine präventive Therapie zur Verhinderung weiterer Anfälle wichtig. Diese erfolgt durch eine Ernährungsumstellung, bei der man purinreiche Lebensmittel wie rotes Fleisch oder Hülsenfrüchte nur in Maßen genießen sollte. Gleiches gilt für Alkohol, der die Ausscheidung der Harnsäure behindert.

Standardmedikament zur Behandlung der chronischen Hyperurikämie ist Allopurinol, ein Xanthinoxidasehemmer. Xanthinoxidase ist das Enzym, das die Harnsäurevorstufe Xanthin in Harnsäure umwandelt. Hemmt man dieses Enzym, senkt das den Harnsäurespiegel im Blut und verhindert ein Auskristallisieren in den Gelenken. Die stattdessen gebildeten Xanthine werden über die Niere ausgeschieden.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Jochen Kuhl: Gicht und Wassersucht: Die Krankheiten der Hohenzollern. Dtsch Arztebl 2012; 109(44): A-2184 / B-1780 / C-1746. PDF.
  • Deutsche Gicht-Liga e.V.: Wie wird die Diagnose Gicht gestellt? Link.
  • Techniker-Krankenkasse: Was versteht man unter Gicht? Link.
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGR): Langfassung zur S2e-Leitlinie Gichtarthritis. PDF.
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF):
    S1-Leitlinie: Häufige Gichtanfälle und Chronische Gicht in der hausärztlichen Versorgung. PDF.
    S1-Leitlinie: Akute Gicht in der hausärztlichen Versorgung. PDF.
  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 267. Auflage. Berlin 2018: Walter de Gruyter-Verlag.